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WONDER - Seemannsgarn  
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  Hall of Fame

DIE FISCHERSTIEGE

Schon vor langer Zeit, ehe die Römer nach Wien kamen bestand die Fischerstiege. Ihre Geschichte reicht weit in die Vergangenheit der Stadt zurück. Auf dem Hügel hart an der Donau, am Gestade oder Gstätten wie die Wienerinnen sagen, entstand durch die Andacht der Fischer, Schiff- und Kaufleute eine Kapelle als Dank für den reichen Fischbestand der Donau.

Angeblich erhob sich einst in der Umgebung der Fischerstiege ein kleines Fischerdorf, dessen einzige Verbindung mit der Umgebung das Wasser der Donauarme war.
In diesem Dorf wohnte ein Fischer namens Würfel mit seiner Frau in einem kleinen Haus an welchem sich eine Tafel mit der Innschrift „Dieses Haus steht in Gottes Hand, zur Fischerstiege wird es benannt“ angebracht war.
Das Haus war das älteste Haus in dem Dorf und da es sich gleich neben der Stiege befand, auf der die Fischer Ihren Fang zum Kohlmarkt brachten, beschlossen die beiden eine Schenke zu eröffnen um nicht alleine vom Fischfang leben zu müssen.

Eines Tages kehrte der Ritter Götz von Berlichingen in die Schenke ein um sich von einer langen Reise, die sich durch eine Vielzahl von Fehden die er während dieser führte, unter den Rittern als die eiserne Reise herumsprach, zu erholen. Angetan von der Fischersfrau und dem guten Weine verbrachte er einige Stunden in der Schenke. Die Fischersfrau war schon ganz aufgeregt, da Götz nach jedem Becher Wein immer lauter und streitsüchtiger wurde. Endlich betrat der Fischer die Schenke. Er ging zu seiner Frau und sagte: „ Heute habe ich keine einzige Nase gefangen, nicht eine Barbe. Es ist so wild heut draußen. Die Donau tobt! Gib mir einen Becher Wein.“

Dies hörte Götz der neben der Schank an einem Tisch saß und rief den Fischer zu sich. Und als der Fischer sich an den Tisch saß und Götz den traurigen Ausdruck im Gesicht des Mannes bemerkte begann dieser zu erzählen:

„Auf meiner langen Reise habe ich viele unglaubliche Geschichten gehört, aber diese ist so wahr wie meine eiserne Hand. In einem fernen Land gab es ein Fischerdorf und die Fischer dort, haben auch schon seit langer Zeit nichts mehr gefangen. Ein Unwesen trieb sich im Fluss herum und verscheuchte all die Fische. Eines Tages aber ging ein schlauer Bursche an den Fluss und hielt Ausschau nach dem Wesen. Plötzlich tauchte aus der Tiefe des Flusses eine Gestalt empor und sprach zu dem Burschen: „Gib mir Gold und ich werde euren Fluss in Ruhe lassen!“ Der Bursche war so erschrocken von dem Wesen, dass er eilig davon lief. Im Dorf verkündete er seine Begegnung den Bewohnern und gemeinsam hatten sie eine glorreiche Idee. Sie sammelten Steine von der Straße und bemalten diese mit goldener Farbe. Am nächsten Tag ging der Bursche noch einmal zum Fluss und rief das Wesen, das es aus der Tiefe auftauchen solle.
Das Wesen erschien und der Bursche warf die vergoldeten Steine ins Wasser. Seit diesem Tage an gibt der Fluss wieder Fische frei!“

Durch diese Geschichte aufgemuntert, erholte sich der Fischer Würfel von seinem Gram und als Dank für die Aufmunterung gab die Fischersfrau ihm eine Forelle mit auf den Heimweg.

So erfand Ritter Götz von Berlichingen den Terminus „Forelle blau“ in dem er berauscht von dem Weine und mit einer Forelle in seiner eisernen Hand die Fischerstiege herunterstolperte.



KILLERENTE!

Killerente im Donaukanal! Dackel totgebissen, Jägermeister verzweifelt:
Ich hätte vorher üben sollen!

Der Wiener Donaukanal wurde gestern Schauplatz eines grausigen Ereignisses: eine gereizte Ente biss den Dackel des Jägermeisters F. von Erlach tot, weil dieser seiner Entenlockpfeife falsche Töne entlockt hatte.

In der KRONE stand mal was ganz ähnliches, also kommt sowas schon öfters vor. Weiß jemand den Namen des Hundes?

JONNY

Uns ist eine andere Geschichte mit wilden Tieren geläufig, welche sich im Donaukanal abgespielt hat. Die Geschichte von einem Riesenhecht namens Jonny, der sehr agressiv gewesen sein soll. Angeblich gehörten zu seinen bevorzugten Opfern Hunde, es kursierten hier besonders Gerüchte von Pudeln, die Jonny verspeist haben soll. Einige Fischer wollen JONNY auch gefangen haben.


CHRISTOPHORUS & SEINE ESELIN

Ich war etwa sieben oder acht Jahre alt, als ich auf der Fischerstiege spielte und mir ein alter Mann mir folgende Geschichte erzählte:

Ich war so zirka acht bis zwölf Jahre alt, als mir damals, eine alte Frau begegnete und mir folgende Geschichte erzählte:

Einst ging Christophorus die Salvatorgasse entlang und traf dort angebunden an einem eisernen Ring eine Eselin, welche lautstark jammerte.

Früher wurden bei der Errichtung von Gebäuden oft kleine Tiere eingemauert. Dieses Bauopfer sollte den Bestand des Gebäudes sichern.
IIII-AAAA-III-AAA.

Christophorus tat die Eselin leid und deshalb entschloss er die Eselin zu befreien. Mit seinem güldenen Messer durchschlug der den eisernen Ring, sodass aufgleich Funken zu sprühen begannen. Die Eselin war voller Dank und lud Christophorus zu einem kühlen Trank in die nahe gelegene Schenke ein. Nach dem dritten Becher Wein, erzählte die Eselin, woher sie kam, wohin sie wollte, und was ihr alles auf ihren Reisen begegnet sei. Und so ergab ein Wort das andere. Leider kamen beide dabei in Streit. Der Wortwechsel wurde schärfer und derber; ein spitzes Wort um das andere flog bald hinüber bald herüber, so dass endlich Christophorus der Geduldfaden riss; flugs holte er mit der Hand aus und gab der Eselin einen schlag ans Ohr, dass sie unter den Tisch fiel. Sie raffte sich aber schnell auf warf einen zornwütigen Blick auf Christophorus und sagte:

So, jetzt verklage ich dich bei dem Stadtrat.
-und lief nun, was sie laufen konnte, schnurstracks ins alte Rathaus.

Christophorus zögerte auch nicht, und lief der Eselin nach und als er sah, dass sie in ein Haus in der Salvatorgasse rannte, stellte er sich diesem Haus gegenüber auf und wartete, bis die Eselin wieder haus käme, doch diese hat bis heute nicht das Magistratsgebäude der Stadt Wien verlassen. Die Eselin hatte solche Angst, dass sie sich in den letzen Winkel der Städtischen Bücherei zurückzog, welche sich im selben Haus befinden.

Seit diesem Tage treten in Büchern immer wieder Eselsohren auf.


GESTANK

Seit Jahren herrscht in der U1-Station Stephansplatz bei warmen Temperaturen ein fauliger Gestank. Gerüchte über den Ursprung gibt es viele. Da war die Rede vom Rattenfriedhof, einem Obdachlosen, der neben einem Heizaggregat verstorben und durch die Hitze verwest sei aber auch von versehentlich eingemauerten Bauarbeitern.


DIE WIENER LAUTVERSCHIEBUNG

Stützmauern hiessen früher in Wien Stürzmauern. Sie waren daher der Spitalsverwaltung zugeordnet. Das lässt sich besonders gut am Beispiel der Stützmauer Salvatorgasse erläutern: Nach der ersten Wiener Lautverschiebung, die der Bildungsreform von Maria Theresa folgte, wurden, wie uns eine aktuelle Dissertation (Univ.Wien /Abteilung für Liguistik, EZ7/3501/02) zeigt, einige r-Laute zu t-Lauten verschoben, insbesondere in Kombination mit einem nachfolgenden z: so wurde etwa Schürze zu Schütze (Schürze findet man heute tatsächlich kaum mehr, dafür zahlreiche Neologismen für den Typus des Kriegers). Oder nehmen wir den berühmten rufenden Berg Watzmann der früher Warzenmann hiess (die Lautverschiebung ging zwar von Wien aus erreichte aber bald die deutschsprachigen Kronländer). Wir könnten noch viele ähnliche Beispiele anführen (bitte googeln Sie selbst im Internet), doch bleibt eine verwaltungstechnische Leistung zu bemerken, die wikipedia bisher wohl noch nicht erfasst hat - sie führt uns an den Anfang aller Architektur zurück, als den wir, nach diesen obigen Erläuterungen, die Stürzmauer definieren dürfen:

Seit jener nicht unbedeutenden Wiener Lautveschiebung nämlich, ist die historisch bekannte Stützmauer an der Salvatorgasse, Wien Innere Stadt, im Verwaltungsbereich der Magistratsabteilung 29 befindlich, denn die MA29 ist, wenn Sie sich bitte durchtelefoniern wollen, für Brücken zuständig und für Statik ganz allgemein. Somit hat sie Stützmauern (früher Stürzmauern genannt) sinnvollerweise Ihrer Verwaltung einverleibt. Fazit: Lautverschiebungen halten unsere Verwaltung schlank und transparent.

BERUFSBILD FISCHER/IN

Mit der Transparenz ist das so eine Sache, soll man sie wirklich gutheissen?. Das Wasser der schönen blauen Donau, um nur den einen Fluß zu nennen, ist transparent, will sagen, man sieht Fische hindurchschimmern. Oft kam den Menschen früherer Epochen vor, als wäre ein Nixlein vorbeigehuscht und Legenden entstanden daraufhin, von Seemannsgarn gar nicht zu sprechen. Aber das alles hat eine tiefere Ursache in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. In jenen Urzeiten, man lese nur in der Bibel, waren die Wasser schwarz und dunkel. Je mehr sich die Schöpfung ausdifferenzierte, desto heller und transparenter wurden sie. Man weiss auch heute nicht genau, war es Design oder Evolution, waren demnach größere Wassermengen und ihr Einfluss auf das Geschiebe der Flüsse nach der ersten Eiszeit der Grund für diese zunehmende Transparenz - zumindest eins steht fest: Nur so konnte der Berufszweig der FischerInnen, nachweislich einer der Primärberufe der Menschheit entstehen. Schließlich mußte man in den dunklen Gewässern mit den aus der Not geborenen und schon damals entwickelten Angeln und halbwegs intelligenten also bunten Ködern zurechtkommen, die sich farblich abhoben und Fische anlockten (darauf könnte nämlich der Terminus vom intelligenten Design verweisen, der heute stark in Umlauf gekommen ist). In welche Richtung sie, die Angel, also auswerfen im ungerichteten dunklen Wasser? Das Fischen von Hand konnte verständlicherweise erst später praktiziert werden, als die Gewässer schon viel transparenter geworden waren. Wir haben es hier mit einem Widerspruch in der Genealogie zu tun, werden Sie selbst bemerkt haben.
BibelexegetInnen postfordistischer wie postfeministischer Richtung erklären es so: das Weib wirft seine Angeln grundsätzlich eher ins Ungewisse aus, da es von kreativem Forschungswillen durchdrungen ist, gebärt es doch Kinder und gießt das Paradies... Der Mann jedoch wirft die Angel immer nach den vier Himmelsrichtungen aus, einem inneren System folgend, das die Entwicklung der Kirchturmuhr ermöglichte. Daher war und ist es für den Mann von Vorteil, dass die Wasser immer durchsichtiger wurden und dass wir nach der Kirchturmuhr (erst viel später, in Zeiten der Industrialisierung \\\\\\\"Stechuhr\\\\\\\" genannt, weil sie an der Kirchtumspitze angebracht ist)leben. Leider aber ging durch unnötige Systematisierung der Berufsstand der Fischerin stark zurück, bis es zum folgeschweren Bruch der zwei Hälften (Fischer und Fischerin) kam, wie in jedweder Mythologie belegt. Der renitenten Urfischerin Undine, glaubt man der Legende (und es gibt übereinstimmende Erzählungen über Wassergöttinnen, nicht nur in unserer Kultur oder Literatur), wurde das Fischen im Ungewissen zuviel, sie pfiff darauf und lebt fortan als frei flottierende Nixe mit Ewigkeitsanspruch. Wenn der Fischer genau und sehr sehr tief hineinschaut, erscheint das Wasser ihm dunkel - quasi wie ein Alter Ego. Das ist ihre Methode, sagt man, ihn vor Überschwemmungen jedweder Art zu warnen. Und was wäre denn wichtiger in Zeiten der Klimaveränderung.

SIRENEN

Die Macht des Sirenengesangs ist inzwischen sprichwörtlich geworden. Noch zu Beginn der Neuzeit, nahm man ernst, was Homer über die hohe Gesangskultur der Sirenen gesagt hatte. Warum sonst rüsteten sich die Seefahrer, wenn sie lange Reisen antraten, mit einer von Alchimisten speziell angerührten Anti-Sirenenpaste aus? Damit hatte man sich bekanntlich die Ohren zu kalfatern, wollte man nicht in den Bann der singenden Geschöpfe geraten.


DICHTEN

Die Fugen eines Schiffes sind früher mit Pech, Werg etc. abgedichtet worden. Das Märchen von Goldmarie und Pechmarie erfuhr eine Weiterdichtung seitens der Seeleute, denn Gold zu finden, war oft das geheime und heldenhafte Ziel dieser unerschrockenen Männer und Fische zu fangen war gewissermaßen nur der Nebenerwerb (ob angeschwemmtes Gold des Donauweibchens oder Schatzkisten auf einsamen Inseln). Pech aber war immer nötig als Dichtungsmaterial und auf jedem Schiff parat - um nicht unterzugehen, wenn das Wasser ins Schiff drang. Pech war demnach positiv besetzt, es schützte gegen die Fluten. Gold dagegen war auch gefährlich, es konnte ein Verschwinden der Männer in den Fluten bedeuten und dies war oft der Fall. Die MARIE ist ja nicht nur Frauenname sondern Synonym für Geld. Die Fischer und Seeleute erzählten einander und dem Publikum also die Geschichten von der Goldmarie und der Pechmarie in ihren eigenen Codes und wer diese nicht verstand, unterstellte Seemannsgarnspinnerei.

Fish-Eye:

Eine Hausfrau putzte gerade einen großen Kabeljau, als sie, zu ihrer Über­raschung, ein exaktes Abbild eines Fischers im Auge des Fisches entdeckte. Es war eine deutliche Miniatur eines komplett ausgerüsteten Fischers im Ölzeug, gerade dabei, den Fisch ins Boot zu ziehen.
 
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